Auf dem Weg zu einem solidarischen Europa – Herausforderungen für Schule und Bildung, 7. -10. April 2015

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Rückmeldungen / Feedback

"Auf dem Weg zu einem solidarischen Europa" war das Thema eines Seminars für Lehrkräfte und Bildungsexperten, das vom 7. bis 10. April 2015 in der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen in Bad Wildbad stattfand. In Verbindung mit der Landesakademie hatten dazu der Internationale Verband für christliche Erziehung und Bildung (IV) und die Intereuropean Commission on Church and School (ICCS) eingeladen. Die Leitung lag in den Händen von OStDin Dorothea Eisele (Heilbronn).

Die 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (eischließlich der Referierenden) kamen aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Lettland, den Niederlanden, der Schweiz, der Slowakei, Rumänien und Ungarn.

Das Thema wurde unter den Perspektiven „Menschen stärken, Sachen klären und Zukunft gestalten“ bearbeitet. In Anlehnung an den Tagungsrückblick einer teilnehmenden Schulleiterin aus der Schweiz seien hier einige herausragende Erfahrungen und Erkenntnisse wiedergegeben:

Im Rahmen von drei Interviews, geführt von Dr. Peter Schreiner, machte zunächst Doris Peschke, die Generalsekretärin der Churches‘ Commission for Migrants in Europe, klar, dass Migration eines der ältesten Themen der Welt ist, das auch die Kirchen herausfordert. Sie sollten es als ihre Pflicht sehen, den Dialog anzuregen und damit auch auf staatliches Handeln Einfluss zu nehmen.

Rainer Wieland, Vizepräsident des Europaparlaments, benannte Menschenwürde und Menschenrecht als gemeinsames Thema christlichen Engagements und säkularer Politik. Realpolitisch gesehen, sei es leichter, an die Solidarität zu appellieren, wenn es den Menschen in einem Land gut geht. Wieland plädierte für eine Stärkung der Demokratie und empfahl insbesondere das Schülerprojekt des Europäischen Parlaments, Euroscola.

Alfons Scholten, Lehrer am Fliedner-Gymnasium in Düsseldorf und Vorsitzender des Europäischen Bundes für Bildung und Wissenschaft, legte eine Bestandsaufnahme der Herausforderungen an Schule und Bildung vor und ging insbesondere auf die Möglichkeiten der einzelnen Schulen ein. Das Partnerschulprojekt seiner Schule mit Rumänien erwies sich als große Bereicherung und anschauliches Beispiel ökumenischen Lernens und ließ sowohl die Notwendigkeit als auch die Wege erkennen, Skeptiker zu überzeugen.

Das World Café über Handlungsfelder solidarischen Lernens zeigte u. a. auf, dass Solidarität dort nötig ist, wo ein Gefälle der Chancen besteht, dass sie beim Einzelnen beginnt und dass sie auch in der Schule gelebt werden kann.

Mit Dr. Dzintra Iliško aus Lettland kam ein „neues“ Land in das europäische Blickfeld. Solidarisches Handeln ist in der lettischen Gesellschaft verbreitet; was man noch kaum kennt, ist das Migrationsproblem. Die Schule kann auf neue Herausforderungen durch Information über die „anderen“ vorbereiten, doch bedarf es auch persönlicher Erfahrungen. (Kurze Zusammenfassung)

Als eine wichtige Erkenntnis aus jahrelanger Durchführung des Sozialpraktikums „Compassion“ stellte Daniel Mark aus Freiburg heraus, dass der Einsatz den Jugendlichen selbst einen nachhaltigen Zuwachs an Lebensglück bringt verbunden mit der Erfahrung, dass auch der Betreuende den Betreuten braucht und nicht nur umgekehrt (Compassion am St. Ursula-Gymnasium).

Die Religionspädagogin Dr. Eszter Kodácsy-Simon zeigte durch Beispiele aus Lehrbüchern auf, wie die Frage „Was ist Solidarität?“ im Religionsunterricht thematisiert werden kann. In ihrer Heimat Ungarn ist die Förderung der Roma-Bevölkerung eine Nagelprobe der Solidarität. In einem zweiten Vortrag präsentierte die Referentin viele Beispiele aus der Schulpraxis.

Ebenfalls in der praktischen Arbeit mit Schülern setzt das Projekt „Model United Nations (MUN)“ an, das Michael Otte vorstellte. MUN, das Schülerinnen und Schüler schließlich in großen internationalen Konferenzen zusammenführt, hat mannigfaltige Lerneffekte, benötigt aber eine aufwendige Vorbereitung.

Die in den Niederlanden entwickelte und praktizierte Methode Positive Behaviour Support (PBS) ermutigt Jugendliche, führt sie zu neuem Denken und einer neuen Sprache. Der Referent Taco Visser stellte dar, dass dabei alle gewinnen können.

Eine Umsetzung reformpädagogischer Gedanken mit beeindruckender Konsequenz führte Ernst Thöni am Beispiel seiner Schule „École d’Humanité“ (Hasliberg/Schweiz) vor. Starke, bewusste, solidarische und verantwortliche Menschen gehen aus dieser Erziehung hervor.

In eine ganz andere Welt führte die Leiterin einer Großstadtschule in Rumänien Hrisanti Bulugea. Sie beschrieb die schwierigen Prozesse beim Aufbau einer Schule mit eigenem Profil, die Geduld und Zuversicht, die es zur Überwindung der Probleme, nicht zuletzt administrativer Art, braucht.

Unter der Perspektive „Zukunft gestalten“ brachte Alfons Scholten praktische Überlegungen ein und informierte besonders über das Europäische Fortbildungsprojekt ELICIT = European Literacy and Citizenship Education.

Johan ter Beek machte schließlich die Teilnehmenden mit einem ganz neuen Ansatz der Persönlichkeitsentwicklung bekannt: „Your story“ (www.ystg.org) funktioniert nach den Prinzipien von Computerspielen und sozialen Netzwerken. Die Spielbegeisterung wird genutzt, um junge Menschen in sieben relevanten Lebensbereichen ihren persönlichen Standpunkt finden und so „ihre Geschichte“ schreiben zu lassen, mit dem Ziel, persönliches Glück und den Einsatz für eine bessere Welt zu verbinden.

Die Europatagung von IV und ICCS in der Landesakademie Bad Wildbad vom 7. bis 10. April war wieder eine große Bereicherung, die mich lehrte, wie schön und vielfältig und sympathisch unser zusammenwachsendes Europa doch sein kann. Die Solidarität der vielen Nationen, Völker und Individuen im Ansatz schon zu erleben, in der langen Sicht wenigstens zu denken, das macht Mut und bestärkt mich in der Bereitschaft, mich für diese Idee der Einheit in der Vielfalt zu engagieren. In der persönlichen Begegnung mit Vertretern all der teilnehmenden Nationen wird diese Idee zu einer positiven Vision trotz aller Hemmnisse und Blockierungen, die wir in den Medien fast täglich präsentiert bekommen. Danke für diese Erfahrung!
Michael Otte, ehem. Schulleiter, Windsbach, Deutschland

Seeking Solidarity in a troubled Europe. Challenges and Choices for Schools and Education

“Seeking Solidarity in a troubled Europe. Challenges and Choices for Schools and Education“ was the theme of a European Conference for teachers and education experts that took place from 7 th to 10 th of April 2015 at the Academy for in service training and personal development at schools in Bad Wildbad. In cooperation with the Academy the invitation came from the International Association for Christian Education (IV) and the Intereuropean Commission on Church and School (ICCS). OStDin Dorothea Eisele (Heilbronn) was the director of the conference.

The 30 participants (including the speakers) came from Belgium, Germany, France, Great Britain, Hungary, Latvia, The Netherlands, Romania, Slovak Republic and Switzerland.

The thematic work happened under the following perspectives: “strengthen the people”, “clarifying the issues” and “shaping the future.“ On the basis of a report of a participating head teacher from Switzerland the following selected points and experiences shall be mentioned:

Dr. Peter Schreiner interviewed three resource persons. Doris Peschke, general secretary of the Churches‘ Commission for Migrants in Europe (CCME). She emphasised that migration is one of the oldest issues in the world and challenging also the churches. They should see it as their duty to promote dialogue and therefore also to influence states action and policy.

Rainer Wieland, vice-president of the European Parliament named human dignity and human rights as common issues of a Christian commitment and of secular politics. He argued for strengthening democracy and recommended especially a project of the European Parliament called Euroscola.

Alfons Scholten, teacher at the Fliedner-Gymnasium in Düsseldorf and chairman of the European Association for Education and Science introduced a statement on challenges for school and education (Theses_1) and mentioned especially the opportunities of a single school. A partner project with a school in Romania has enriched both partners and is also a good example of ecumenical learning. The project proofs that also skeptical views concerning such type of projects can be changed.

The world café about concrete actions of learning in solidarity showed that solidarity is especially needed in fields where chances are not equally distributed, that solidarity starts with the individual and can be lived also in school.

With Dr Dzintra Iliško from Latvia a „new“ country of Europe came into the fore but what is rarely known there is the phenomenon of migration. School can prepare for new challenged through providing information about “the other”, but there is also the need of personal experiences. (Short Summary)

As a crucial insight of a long-lasting implementation of the social field work named „Compassion“ Daniel Mark from Freiburg stated that the commitment of youngsters produces a sustainable increase of happiness in life together with the experience, that the caretakers needs those in care and not only vice versa (Compassion at St. Ursula-Gymnasium).

The religious educator Dr Eszter Kodácsy-Simon illustrates through using examples from school books how the issue of „What is solidarity” can be dealt with in religious education. In her home country Hungary the promotion of the Roma population is an acid test of solidarity. In her second presentation the speaker presented manifold examples from the classroom.

Another practical example was presented by Michael Otte, the project “Model United Nations (MUN)“. MUN brings together students for big international conferences, provides manifold learning effects but needs also a lot of preparation.

The method Positive Behaviour Support (PBS), developed and used in the Netherlands, encourages young people to think anew and to use a different language. Taco Visser explained that all can benefit from this method.

A concrete example of using ideas of reform pedagogy in an impressive way was presented by Ernst Thöni with his school „École d’Humanité“ (Hasliberg/Switzerland). Strong, self-concious, solidaric and responsible persons are aimed at through this pedagogical approach.

A completely different world was introduced by the head teacher of a school in a big city in Romania Dr Hrisanti Bulugea. She informed about the difficult process to develop the school with its own profile, the patience and optimism that was needed to overcome existing problems, not least of an administrative type.

Under the heading “Creating future“ Alfons Scholten presented practical ideas (Thesen_2) and informed especially about the European in service project called ELICIT = European Literacy and Citizenship Education.

Johan ter Beek introduced in his presentation a completely different approach to personal development: „Your story“ (www.ystg.org ) works on the basis of computer games and social networks. The enthusiasm for games is used to encourage young people to identify a personal view in seven crucial areas of life and to write their “own story” with the aim to connect personal luck with the commitment for a better world.

Einige Rückmeldungen von Teilnehmenden / Feedback of participants

Seeking solidarity in a troubled Europe can only be achieved in collaboration with others. The seminar in Bad Wildbad offered many valuable opportunities to meet, to listen, to talk and to reflect with colleagues from different countries in a mutually supportive way and in very congenial surroundings. The formal sessions were of course important, but so too were more informal personal encounters during meal times and in the evenings. It is these professional working relationships which will continue to develop now the meeting is over and help us to continue to move forward and achieve our goals.
Lesley Prior, University of Roehampton, England

Please, do send my feedback to the academy that it was a well organized seminar that integrated deep philosophical, theological and methodological discussion of the issue of Solidarity. The event was organized on a high level as a collaborative and interdisciplinary event.
Thank you again to the organizers for all the effort they put in organizing this event.
Dr. Dzintra Ilisko, University of Daugavpils, Lettland

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Internationaler Verband für Christliche Erziehung und Bildung (IV)

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